Lost in Place

„Du, die Kneipe wurde 1990 abgeschlossen und seit dem hat sich da nix mehr getan.“ Mein Fotofreund Jürgen Bode schwärmte von der Location in Salzwedel. Ein Lost Place, den wir mit der Genehmigung des Besitzers erkunden durften. Unsere Ideen fokussierten sich schnell auf eine verruchte Bardame, die Ihren Laden fest in der Hand hat.

Geeske (In the Village, Die Einsiedlerin, Der Schmale Grat) sprang sofort mit auf den Zug auf und entwickelte ein passendes Augen-Make-up und hatte passend Outfits dazu. Das absolute Highlight war ein Pelz aus den 1940er Jahren, den Jürgen uns besorgen konnte. Jürgen ist ein sehr kreativer (Hobby-)Fotograf aus Salzwedel und Japanfan. Extrem gut vernetzt und umtriebig. Wir lernten uns auf einem gemeinsamen Workshop letztes Jahr kennen und schätzen. Auf seiner Webseite zeigt er gerade fasziniernde Bilder seiner Milchglas-Serie. Es war Jürgen, der es Andreas Jorns ermöglichte sein Buch „Come undone“ in Uelzen im Kino zu präsentieren.

Lost Places sind für mich immer Fantasiereisen in die Vergangenheit. Mir genügt schon nur eine alte Tapete in einem leeren Raum und ich stelle mir vor wie Menschen darin gelebt haben. Beginnend mit dem Moment in dem sich jemand dazu entschlossen hat diese Tapete an die Wand zu bringen. Er wird sich überlegt haben, wie sie im Raum wirkt und das sie gut zum Bodenbelag passt. Die Tapete wird Freude und Leid, gute und schlechte Zeiten gesehen haben. Jetzt da dieses alles Geschichte ist hängt sie immer noch an der Wand und ein Fotograf freut sich über die Farbstimmung die sie induziert.

Lost im Lost Place, die Kneipenstube im Erdgeschoss war noch original eingerichtet und wartete förmlich auf unsere Bardame. Doch das Obergeschoss wurde gerade vom Sonnenlicht geflutet und die leeren Räume dort hatten ihren ganz eigenen Charme, der geprägt war von den Wandtapeten, den Dielenböden und dem gleissenden Fensterlicht. Also begannen wir oben. Wir verloren uns in den vielen Räumen, Perspektiven und Möglichkeiten.

Als wir endlich die Treppe zurück in die Kneipe hinuntergingen, neigte sich das Licht (noch schneller als der Tag) schon dem Ende zu. Im Treppenhaus war es noch mal phänomenal.

Am Ende war kein Licht mehr für die Kneipe übrig. Wir hoffen auf eine zweite Chance.