Leonie

„… jetzt schau mich mal an wie ein Pornostar!“ Und da war es wieder, dieses verschmitzte Lächeln das Nähe aufbaut.

Für das Shooting mit Leonie hatte ich mir zwei Setups überlegt, am Ende sind es dann noch mehr geworden inklusive einer coolen Entdeckung, die wir gemeinsam gemacht haben. Doch dazu werde ich später noch etwas posten.

Ich habe vor einiger Zeit das Headshot-Video von Peter Hurley erworben und regelrecht verschlungen. Diese Konzentration auf das wesentliche finde ich absolut faszinierend. Da man nur den Kopf eines Menschen aufnimmt und der Hintergrund neutral bleibt richtet sich der Fokus automatisch auf die wesentlichen Gesichtszüge. Hurley ist ein Meister darin während seiner Portrait Sessions das Beste aus den Menschen vor seiner Kamera heraus zu holen. Wenn da weiter nichts ist als der Kopf auf dem Bild ist, dann sind es Mund, Augen und Augenbrauen, die den Gesichtsausdruck prägen. Er hat das erkannt und arbeitet bis zu 4 Stunden mit seinen Kunden um dieses eine, besondere Kopfportrait zu machen. Für so ein Foto zahlen seine Kunden Minimum 4000 US Dollar.

Mit Leonie wollte ich seinem Vorbild nacheifern und das mal ausprobieren. Ein vergleichbares Lichtsetup wurde aufgebaut, welches einen näherungsweise rechteckiges Catchlight in die Augen bringt. Und dann ging es auch schon los. Wir haben das „Squinchen“ geübt, um in der Augenpartie eine besondere Spannung zu erzeugen. Auch fragt der Fotograf nicht nach einem Lächeln, denn das wäre nicht echt und das sieht man dann auch später auf den Fotos. Besser ist es mit kleinen absurden Witzeleien ein winziges, echtes Lächeln zu erzeugen. Deshalb fragte ich sie etwas frech nach diesem besonderen Gesichtsausdruck, s.o.

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Die nächsten Aufnahmen sollten mit Fensterlicht gemacht werden. Und zwar einmal klassisch mit indirektem Nordfenster-Licht und einmal mit direkter Sonnenstrahlung durch eine Jalousie. Hierfür verwendete ich auch zwei verschiedene Kameras, mit deutlich unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Sony A7R2 ist mein Arbeitspferd. Sie ist klein, handlich und die Bilder sind scharf bis zum letzten der 42 Mio. Pixel, wenn man alles richtig macht. Dabei haben die unbearbeiteten Fotos m.E. etwas steriles, reines ohne viel Charm und Charakter. Das ist eine gute Basis für jede nachfolgende Bearbeitung mit Lightroom, Photoshop, etc. Die Aufnahmen bei indirekten Fensterlicht, die mit der 55mm Standard-Festbrennweite gemacht wurden, habe ich Schwarz-weiß gewandelt und etwas das Kontrastverhältnis angehoben.

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Viel mehr Atmosphäre übertragen die Fotos hinter der Jalousie, die mit der Leica-M und einer 35mm f/1.2 Linse gemacht wurden. Sie haben eine andere Anmutung, sie sind irgendwie cremig, weich, ja geradezu mitfühlend. (Auch diese sind in SW gewandelt und der Kontrast wurde verstärkt.)

Es gibt eine ganze Reihe von Fotografen, die behaupten eben diesen besonderen Look der Bilder immer sicher erkennen zu können. Das sei eben typisch Leica. Ich möchte mich da nicht so gerne mit einreihen. Doch auch ich muss sagen, dass  man damit entspannter fotografiert, natürlich auch der manuellen Fokussierung wegen. Möglicherweise überträgt sich die Ruhe des Fotografen auch auf das Model. Ob das die Person vor der Linse wiederum positiv beeinflussen kann? Was meint Ihr?

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Technik:

  • Sony Alpha 7R2
  • Sony Zeiss 55 mm f/1,8
  • Voigtlaender 35 mm f/1.2 Nokton ASPH II (Leica M-Bajonett)

„…and now look like a porn star!“ And there it was again, that mischievous smile builds up for a second. For the shooting with Leonie, I had considered two setups, in the end it has become even more including a cool discovery that we have made. But that comes later.

I bought the headshot video by Peter Hurleysome time ago and really inhaled it. I find this concentration on the essential absolutely fascinating. Focusing only on the head of a human, this automatically focuses on the essential facial features. Hurley is a master in bringing out the best of people in front of his camera during his portrait sessions. If there’s nothing left but the head on the picture, it’s the mouth, eyes, and eyebrows that shape the expression of the face. He has recognized this and works for up to 4 hours with his customers to make this one, special head portrait. For such a photo, his customers pay a minimum of 4000 US dollars.

With Leonie I wanted to emulate this and try it out. A comparable light setup was established, which brings an approximately rectangular catchlight in the eyes. And then it began. We practiced the „squinching“ to create a special tension in the eye area. Also, the photographer does not ask for a smile, because that would not be real and you can see that later on the photos. It is better to create a tiny, real smile with little absurd jokes. So I asked her a little cheeky for that special expression , pornstarish.

The next shots should be made with window light. Once classic with indirect north-window light and the other with direct sunlight through a blind. For this I also used two different cameras, with clearly different results.

The Sony A7R2 is my workhorse. It’s small, handy, and the pictures are sharp right up to the last of the 42 million pixels, if you’re doing everything right. The unprocessed photos have something sterile, pure without much charm and character, in my opinion. This is a good basis for any subsequent editing with Lightroom, Photoshop, etc. The shots with indirect window light, which were made with the 55mm standard fixed focal length, have been converted to black and white with a slightly raised contrast ratio.

The photos behind the venetian blind made with the Leica-M and a 35mm f / 1.2 lens transmit much more atmosphere. They have a different appearance, they are somehow creamy, soft, almost compassionate. (These too have changed to B&W and the contrast has been strengthened.)

There are quite a few photographers who claim to always be able to recognize this special look of the images. That’s just typical Leica. I do not want to be a part of it. But I also have to say that it makes you a more relaxed photographer, of course the manual focus is one reason too. Possibly the relaxed photographer also transfers to the model. Whether that can positively influence the person in front of the lens? What do you all mean?

Technique:

  • Sony Alpha 7R2
  • Sony Zeiss 55 mm f/1,8
  • Voigtlaender 35 mm f/1.2 Nokton ASPH II (Leica M-Bajonett)