Silverstone

Kann man mit einer Leica M Formel 1 Autos fotografieren? Ist es möglich  Rennfaszination rüberzubringen? Ausgestattet, nur mit manuellem Fokus und ohne Objekt-Tracking oder anderen Goodies ohne die heute kaum eine Kamera mehr verkauft werden kann? …

(scroll down for engl. version)

Eine Reise zum Silverstone GP? Wie es dazu kam, ist schnell erklärt. Eine Änderung im Formel 1 Regelkatalog der Saison 2018 hat dazu geführt, dass meine beruflichen Tätigkeiten eine gemeinsame Schnittstelle mit der Formel 1 bekommen haben. Ich erhielt eine Einladung vom Renault Team, genauer von einem Partner dessen, einen Vortrag auf einem Science-Event zuhalten. Dieser sollte anlässlich des Silverstone Grand Prix stattfinden. Danach würde es dann auf die Rennstrecke gehen um das Freien Training der F1 zu verfolgen.

Weil ich keine Lust auf viel Gepäck hatte blieb meine Sony A7R2 nebst Objektivpark daheim. Mit Ausnahme des 70-300mm, dass hatte ich meiner Kollegin ausgeliehen, die mich begleitete. Sie hatte sich ihre Sony gerade kürzlich neu gekauft.

Sony A7R2 mit 70-300mm

Man hätte auch ein Smartphone nehmen können, doch das schien mir als Betreiber eines Fotoblogs doch ein wenig zu billig.

Smartphone

Für die Leica hatte ich mir ein Summarit 75mm f/2,5 mitgenommen. Eigentlich etwas kurz für Rennautos, dachte ich jedenfalls.

 

Leica M 75mm Summarit

Schon nach wenigen Schüssen war mir klar, dass ich auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Die Oldschool-Cam hatte einen, nein zwei große Vorteile. Doch dazu später.

Scharfe Fotos von Autos zumachen ist eigentlich nicht schwierig. Sie sind relativ groß und relativ weit entfernt. Weil sie üblicherweise unter freiem Himmel bewegt werden ist meistens auch genug Licht vorhanden.

Wer Stefan Anker auf dem Blog Neunzehn72.defolgt weis aber, das es für ansprechende Fotos von Autos nicht um Schärfe, sondern um die Unschärfe geht. Selbst ein Formel 1 Fahrzeug bei 300 km/h wirkt mit der 1/1000s fotografiert, als ob es parkt.

Hier ein rasend schneller Williams, 75mm, 1/4000s, f/4, ISO 200

Die interessante Dynamik bekommt das Foto durch die radial verwischte Beschriftung der Reifenflanken und dem in Fahrtrichtung längsverwischten Hintergrund bzw. Vordergrund. Je ausgeprägter diese Effekte sind, desto schneller wirkt das Auto.

Dazu muss man die Belichtungszeit vorgeben und sie muss relativ niedrig sein. Infolgedessen wird die Blende relativ weit geschlossen, das erhöht die Schärfentiefe. Und leider auch die Sichtbarkeit von Staub auf dem Sensor. Bei einem leichten Teleobjektiv befindet sich jetzt ab 10m Entfernung bis zum Horizont alles im Bereich der Schärfe. Wenn man (!) richtig fokussiert.

Sogenannte „Mitzieherfotos“ erhält man indem man das Fahrzeug in der Mitte des Suchers hält, während es am Fotografen vorbei fährt. Hierzu wird die Kamera geschwenkt.

2018-07-06 22.28.34-1_1-125 Sek. bei f - 16-75 mm-ISO 200-LEICA M-
Hier ein rasend schneller Force India, 75mm, 1/125s, f/16, ISO 200, Ausschnitt

Jetzt zu den angekündigten Vorteilen der Leica. Aufnahmen dieser Art gelangen mit ihr gut, weil sie

1. einen optische Weitwinkelsucher (ca. 28mm an KB) hat.

2. sich ein Schärfebereich fest über den manuellen Fokus einstellen lässt.

Hat man einmal die Straße vor sich richtig fokussiert, können alle folgenden Aufnahmen gemacht werden ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden.

Jetzt muss man nur noch das Fahrzeug mittig erwischen. Dabei hilft der optische Sucher immens. Durch den Weitwinkelsucher behält man immer den besseren Überblick und weis immer wo das Auto ist. Weil es ein optischer Messsucher ist, gibt es auch keine Verzögerung, wie bei einem elektronischen Sucher, z.B. bei der A7R2. Auch ein Blackout während der Aufnahme bleibt einem erspart.

2018-07-06 22.53.07-2_1-3000 Sek. bei f - 2,8-75 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-06 22.30.35-2_1-125 Sek. bei f - 16-75 mm-ISO 200-LEICA M-

Achtung Technik

Genauer betrachtet ist das was der Fotograf bei einem „Mitzieher“ macht eine regelungstechnische Aufgabe. Er hat die Kamera so auszurichten, dass die optische Achse der Kamera während der gesamten Belichtungszeit bestmöglich das Fahrzeug trifft. Mit einem elektronischen Sucher kommt eine zeitliche Verzögerung hinzu. Man muss nicht Elektrotechnik studiert haben um zu wissen, dass Mess-Signal verzögernde Totzeit-Glieder in einer Regelstrecke zu erheblichen Problemen bis hin zum Aufschaukeln führen können.

Beispiel: haben Sie einmal die Lautstärke an einem digitalen Gerät eingestellt, welches gerade etwas langsam die neuen Lautstärke-Daten übernimmt? Man klickt 5 Stufen Vol+ (was eigentlich genug wäre) doch es passiert aufgrund der Verzögerung erstmal nichts. Also gibt man weitere 5 Vol+ dazu. (jetzt ist es eigentlich schon deutlich zu laut). Jetzt beginnt das Spiel in die andere Richtung und kann sich je nach länger der Totzeit noch mehrfach wiederholen. Wer das nicht kenn möge mir einen Kommentar schreiben, dann finde ich noch weitere Beispiele.

Hier noch ein paar Impressionen rund um die Rennstrecke.

2018-07-07 01.34.25-1_1-4000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.33.30_1-3000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.26.59_1-4000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.24.54_1-4000 Sek. bei f - 2,4-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.25.47_1-4000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.23.04_1-4000 Sek. bei f - 2,4-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.24.04_1-4000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-2018-07-07 01.22.31_1-4000 Sek. bei f - 2,0-35 mm-ISO 200-LEICA M-

 

Die Technik: Leica M (Typ 240), 35mm f/2.0 Summicron, 75mm f/2.5 Summarit

 

Engl. version:

Is it possible to photograph Formula 1 cars with a Leica M? Is it possible to convey the racing fascination? Equipped, only with manual focus and without object tracking or other goodies without a camera hardly can be sold today?

A trip to the Silverstone GP? How it came is explained quickly. A change in the formula 1 rule catalog of the 2018 season has meant that my professional activities have a common interface with the Formula 1. I received an invitation from the Renault Team, more specifically from a partner of it, to give a talk at a science event. This was to take place on the occasion of the Silverstone Grand Prix. After that it would go to the track to join the free practice session of the F1.

Because I did not like to have much luggage, I left my Sony A7R2 and the lenses at home. Except for the 70-300mm that I had borrowed to my colleague who accompanied me. She had recently bought her new Sony. I could have taken a smartphone, but that seemed to me as the operator of a photoblog but a little too cheap. SO I took the Leica M.
For the that I took a Summarit 75mm f / 2.5. Actually a bit short for racing cars, I thought anyway.

After just a few shots, it was clear to me that I had chosen the right gear. The old school cam had one, no two big advantages. But later.

Sharp photos of cars is not difficult. They are relatively large and relatively far away. Because they are usually moved outdoors, there is usually enough light available, too.

Anyone who follows Stefan Anker on the blog Neunzehn72.de knows that it is not about sharpness, but about the blur for appealing photos of cars. Even a Formula One vehicle at 300 km/h locks photographed with a 1/1000s  as if it’s parked.

2018-07-06 22.41.27_1-4000 sek. bei f - 3,4-75 mm-iso 200-leica m--1
The photo gets its interesting dynamic through the radially blurred inscription of the tire sidewalls and the longitudinally blurred background or foreground in the direction of travel. The more pronounced these effects are, the faster the car will lock.

2018-07-06 22.28.34-1_1-125 Sek. bei f - 16-75 mm-ISO 200-LEICA M-For this you have to specify the exposure time and it must be relatively low. As a result, the aperture is closed relatively far, which increases the depth of field. And unfortunately also the visibility of dust on the sensor. With a light telephoto lens, everything is now in the range of sharpness from 10m away to the horizon. If you (!) focused correctly.

In German so-called „Mitzieherfotos“ can be obtained by holding the vehicle in the middle of the viewfinder while it is driving by the photographer. For this, the camera is panned.

Now, to the announced benefits of Leica. Captures like this go well with it because she has:

1st: an optical wide-angle finder (about 28mm).

2nd: a focus range which can be fixed via the manual focus.

Once you have properly focused the road in front of you, all further shots can be taken without any further thought.

Now you just have to catch the vehicle in the middle. The optical viewfinder helps immensely. Through the wide angle finder you always keep the better overview and always knows where the car is. Because it is an optical range finder, there is also no delay, as with an electronic viewfinder, e.g. at the A7R2. A blackout during the capture does not occur, as well.

More precisely, what the photographer does during the capture is a control task. He has to align the camera in order that the optical axis of the camera hits the vehicle during the entire exposure time as good as possible. An electronic viewfinder adds a delay. You do not have to have studied electrical engineering, to know that measuring signal delaying deadtime elements in a controlled system can lead to significant problems.

Example: have you once set the volume on a digital device, which is taking over the new volume data a bit slow? You click 5 levels Vol + (which would be enough) but it does not happen because of the delay first. So you add another 5 Vol + to it. (now it is already too loud). Now the game starts in the other direction and can be repeated several times, depending on the length of the dead time. If you do not know this, write me a comment, then I will find more examples.

Die Technique: Leica M (Typ 240), 35mm f/2.0 Summicron, 75mm f/2.5 Summarit

 

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